Träume in Stein
Reportage für Reader´s Digest
Fast 8000 Besucher täglich, mehr als die Hälfte aus Japan und USA, werden in der Hochsaison von etwa 30 Führern durch das Schloß geführt.
Die Besichtigung von Schloß Neuschwanstein gehört zum Pflichtprogramm für Besucher aus Übersee, die teilweise stundenlanges Warten in Kauf nehmen müssen – die Warteschlangen winden sich im Schloßhof und den Berg hinunter.
Eintritt nur mit Führung!
So geht es im Inneren des Schlosses hoch her, eine Gruppe jagt die nächste, für mehr als einen kurzen Blick ist kaum Zeit. In knapp 20 Minuten werden Privatgemächer, Thron- und Sängersaal, Grotte und Küche besichtigt - die Nächsten warten schon!
Was von König Ludwig II. als mittelalterliche Sagenwelt und Homage an Richard Wagners Heldenepen gebaut wurde, füllt nun als deutsches Disneyland die Kassen der staatlichen Schlösser- und Seenverwaltung.
Um den Besucherstrom noch effektiver leiten zu können, wurde ein Gang in den Feld gesprengt, was das ganze Schloß erbeben ließ.
Ein Teil des Schlosses wurde gerade umgebaut - für ein Cafe, ein Bistro und diverse Souvenier-Shops, das Konterfei des ehemaligen Hausherrn kann man dort als Aschenbecher oder Korkenzieher erwerben.
Ob das Schloß von einem Liebenden und Träumer, einem größenwahnsinnigen Sonderling oder schlicht von einem Verrückten in Auftrag gegeben wurde, ob man Wagner, Lohengrin und die Wartburg nun mag oder nicht - mich haben die Detailversessenheit und die kunstfertigen Schnitzereien sehr beeindruckt.
Jeder Raum ist einzigartig, keine Tür gleicht der anderen, jeder Fleck ist einer Idee gewidmet, das Material edel – ein erfrischender Gegensatz zur uns heute umgebenden industriellen Massenware.
Die Gestaltung an sich schließlich ist, wie immer Geschmacksache.