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    Gehen ans Ende der Welt — Unterwegs auf dem spanischen Jakobsweg
    freie Arbeit



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    40 Tage Gehen, 40 Tage Sich-dem-Weg-Anvertrauen, sich ihm anheimstellen, 40 Tage zunehmende innere Stille, immer in der Schöpfung unterwegs, 40 Tage lang den Millionen von Vorgängern hinterherspüren ... – der Jakobsweg ist eine Zeitreise.


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    Ist das Gehen über weite Strecken heute an sich schon ein Anachronismus, auf dem Jakobsweg ist es das erst recht. Was früher für die meisten Menschen die einzig mögliche Art des Reisens war, scheint heute ein Luxus zu sein. Gehen nicht wegen der zurückzulegenden Strecke, nicht wegen dem erhofften Ankommen, auf dem Jakobsweg geht man um des Gehens willen.

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    Auf einem mehr als tausend Jahre alten Weg erfährt der Pilger im Rhythmus der Schritte, daß außen und innen verschmelzen können, daß man beim Gehen sich selbst vergessen und sich so neu erfahren kann.


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    Im Mittelalter spannte sich ein Netz von Wegen über Europa. Von Kiev und Athen, von Aachen und Rom kamen die Menschen, um das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela zu besuchen. Die Verehrung seiner Reliquien, die Bitte um Gnade und nicht zuletzt die von der Kirche in Aussicht gestellte Vergebung der Sündenstrafen, der Ablaß, waren die Beweggründe zu der oft viele Monate dauernden gefährlichen Reise.
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    In den letzten Jahrzehnten erfährt der spanische Teil des Jakobsweges, der camino francés, eine Renaissance. Er verläuft teilweise auf einer originalen Römerstraße, dann wieder auf einer Autobahn, meist jedoch auf Schotterwegen, Sandwegen und kleinen Straßen durch die Weite des nördlichen Spanien.

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    40 Tage lang sind Christoph Hellhake und seine Lebens- und Weggefährtin Maria Reiter von Frankreich aus über Santiago de Compostela nach Finisterre im spanischen Galicien gegangen, immer nach Westen, dem Atlantik zu, der das unwiderrufliche Ende der Reise darstellt.


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    Ankommen nach fast tausend Kilometern zu Fuß ist nicht leicht. Wenn der Wanderer immer einem Horizont zustrebt, der sich nicht erreichen läßt und auch gar nicht erreicht werden will, wenn der Körper das Gehen selbständig übernommen hat, vom Zwang des Geistes befreit, ist der Pilger auf dem Weg angekommen, läßt sich tragen von ihm.

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    Jeden Morgen vertrauensvoller Aufbruch ins Unbekannte, ins Neue, den ganzen Tag in der Schöpfung unterwegs. Die Zeit in ihrer kostbarsten Gestalt, der Gegenwart, ist das wunderbare Fluidum, in dem sich der Pilger bewegt.


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    Jeden Abend Ankommen in einem Refugio, einer Herberge, am nächsten Tag wieder ein Aufbruch in den Fluß des Weges - bis zum Ende der Welt, bis Finisterre.



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    Das Ende der Welt ist auch das Ende einer Daseinsform.





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